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Treuhand und KMU · Systeme · · 9 Min. Lesezeit

KI in Bexio und Abacus: die Prüfschicht wird wichtiger

Buchhaltungssoftware lernt buchen. Bexio plant die vollautomatische Verbuchung von Standardrechnungen für 2027, Abacus legt aus erkannten Kreditorenbelegen schon heute nach hinterlegten Regeln Buchungen an. Für Treuhandbüros und KMU verschiebt sich die Arbeit damit vom Erfassen zum Prüfen. Dieser Beitrag zeigt, was beim Menschen bleibt, wie eine Prüfschicht unabhängig vom System arbeitet und welche Fragen Sie Ihrem Softwareanbieter stellen sollten.

Inhalt
  1. Was die Hersteller ankündigen
  2. Was sich ändert, wenn die Software bucht
  3. Was beim Menschen bleibt
  4. Eine Prüfschicht, unabhängig vom System
  5. Fragen, die Sie Ihrem Softwareanbieter stellen sollten
  6. Was die Prüfschicht nicht tut
  7. So fangen Sie an: ein Mandat, ein Monat
  8. Häufige Fragen

Das Wichtigste in Kürze

  • Bexio plant für 2027 die vollautomatische Verbuchung von Standardrechnungen, Abacus legt aus Kreditorenbelegen nach Regeln Buchungen an. Das Erfassen wird kleiner, das Prüfen grösser.
  • Beim Menschen bleiben das Kontierungsurteil, die MWST-Codes, die Abgrenzungen, die Rückfrage beim Kunden und die Verantwortung gegenüber dem Mandanten.
  • Eine Prüfschicht prüft jede Buchung gegen Beleg und Regeln im Klartext, markiert jede Abweichung mit Fundstelle und legt sie einer benannten Person zur Freigabe vor. Ein Replay-Log hält fest, wer was wann entschieden hat.
  • Die Prüfschicht arbeitet mit den Exporten, die Bexio, Abacus und andere Programme heute liefern. Neue Software braucht es in der Regel nicht.
  • Fragen Sie Ihren Softwareanbieter schriftlich, ob jede automatische Buchung protokolliert wird, ob sie sich bis zum Beleg zurückverfolgen lässt und wer korrigiert, wenn sie falsch ist.

Was die Hersteller ankündigen

Bexio beschreibt auf seiner Seite zur KI in Bexio zwei Stufen. Heute liest die Software Belege aus und schlägt das Buchungskonto vor, ein Mensch bestätigt. Für 2027 ist die vollautomatische Verbuchung von Standardrechnungen im Hintergrund geplant, angeschaut werden dann nur noch Ausnahmen. Der Hersteller schreibt selbst, dass der Treuhänder damit vom Erfassen ins Überprüfen wechselt.

Abacus beschreibt auf seiner Seite zur KI-gestützten Dokumentverarbeitung einen ähnlichen Weg. Die KI DeepO liest Kreditorenbelege aus, ordnet sie nach definierten Regeln einer Kostenstelle oder einem Projekt zu, legt die Buchung an und löst den Freigabeprozess aus. Auch andere Buchhaltungsprogramme bauen Belegerkennung und Kontierungsvorschläge ein; was genau, steht jeweils beim Hersteller.

Für ein Treuhandbüro heisst das: Die Zahl der getippten Buchungen sinkt. Die Zahl der Buchungen, für die jemand geradesteht, sinkt nicht.

Was sich ändert, wenn die Software bucht

ArbeitsschrittHeute, von HandWenn die Software bucht
Beleg erfassenBetrag, Datum, Lieferant und MWST abtippenDie Software liest aus, der Mensch sieht nur noch Ausnahmen
Konto wählenWer erfasst, entscheidet beim TippenDie Software schlägt vor, was beim letzten Mal gebucht wurde
Fehler bemerkenFällt beim Erfassen oft nebenbei aufFällt nur auf, wenn jemand gezielt danach sucht
NachweisDas Kürzel der Person in der BuchungHängt davon ab, was das System protokolliert

Die dritte Zeile ist die wichtige. Wer einen Beleg von Hand erfasst, prüft ihn nebenbei mit: Die Malerrechnung an die Privatadresse des Inhabers fällt beim Abtippen auf. Bucht die Software, entfällt dieser Blick. Er muss an einer anderen Stelle wieder eingebaut werden.

Ein Rechenbeispiel mit runden Annahmen: Ein Mandant hat 200 Belege im Monat. Bucht die Software 150 davon selbst, kommen 50 als Ausnahmen zur Durchsicht. Die 150 automatischen Buchungen hat dann niemand angeschaut. Der Abschluss wird trotzdem für alle 200 unterschrieben.

Wenn das Erfassen schrumpft, schrumpfen auch die Stunden, die Sie heute dafür verrechnen. Was das für Ihr Honorarmodell heisst, steht im Beitrag Stundenhonorar oder Pauschale, wenn KI Zeit spart.

Was beim Menschen bleibt

Kontierungsurteil
Ob der neue Laptop Aufwand oder Anlage ist und ob das Abendessen Repräsentation oder Personalaufwand, entscheidet sich am Einzelfall. Die Software schlägt vor, was beim letzten Mal gebucht wurde. Ob das diesmal passt, weiss, wer den Kunden und sein Geschäft kennt.
MWST-Codes
Bezugsteuer auf Leistungen von Anbietern im Ausland, gekürzte Vorsteuer bei gemischter Verwendung, zwei Steuersätze auf derselben Rechnung: Der Code bestimmt, was in die Abrechnung fliesst. Ein falsch gelernter Code wiederholt sich bei jeder Rechnung desselben Lieferanten. Wer die MWST jährlich abrechnet, was seit 2025 bis CHF 5'005'000.- Jahresumsatz auf Antrag möglich ist, sieht ihn unter Umständen erst bei der Jahresabrechnung.
Abgrenzungen
Eine Rechnung vom Januar für Arbeit im Dezember gehört ins alte Jahr. Die Software sieht das Rechnungsdatum, den Leistungszeitraum kennt, wer mit dem Kunden spricht. Dasselbe gilt für Vorauszahlungen, Boni und Rückstellungen am Jahresende.
Rückfrage beim Kunden
Ein Beleg ohne erkennbaren Geschäftszweck, ein privater Anteil, eine fehlende Quittung. Die Software kann das markieren. Die Frage an den Kunden stellen und seine Antwort beurteilen bleibt beim Menschen.
Verantwortung
Gegenüber dem Mandanten bleibt der Treuhänder für die sorgfältige Ausführung des Mandats verantwortlich, auch wenn eine KI vorgearbeitet hat. So ordnet es TREUHAND|SUISSE mit Verweis auf Art. 398 OR ein. Klären Sie Einzelheiten mit Ihrer Rechtsberatung.

Diese fünf Punkte haben eines gemeinsam: Sie verlangen Wissen, das auf keinem Beleg steht. Dort bleibt das Urteil, und dort braucht es eine Prüfung, die sich belegen lässt.

Eine Prüfschicht, unabhängig vom System

Eine Prüfschicht liegt über der Buchhaltung, egal in welchem Programm sie geführt wird. Sie liest, was gebucht wurde, gleicht es gegen Beleg und Regeln ab und legt die Abweichungen einer benannten Person vor. Selbst bucht sie nichts um.

  1. 01ExportJournal, Belege und MWST-Abrechnung, so wie Bexio, Abacus oder ein anderes Programm sie heute als Datei ausgibt.
  2. 02Regeln im KlartextSo, wie Sie sie einer neuen Mitarbeiterin erklären: Leistungen von Anbietern im Ausland auf Bezugsteuer prüfen. Rechnungen über einem Betrag, den Sie festlegen, auf Aktivierung prüfen. Rechnungen vom Januar auf den Leistungszeitraum prüfen.
  3. 03Prüfung mit FundstelleJede Buchung wird gelesen, nicht nur eine Stichprobe. Jede Abweichung erscheint mit Buchungsnummer, Beleg und der Regel, die angeschlagen hat.
  4. 04FreigabeEine benannte Person entscheidet: Die Buchung stimmt, oder sie wird im Buchhaltungsprogramm korrigiert. Korrigiert wird von einem Menschen, sichtbar und nie stillschweigend.
  5. 05Replay-LogFestgehalten wird, welche Buchung, welche Regel, wer freigegeben hat und wann.

Die Prüfschicht steht neben dem System und nicht darin. Die Mandanten eines Treuhandbüros arbeiten selten alle im selben Programm, die Regeln des Büros sollen aber überall gleich gelten. Ein System, das seine eigenen Buchungen kontrolliert, prüft mit zwei Augen statt mit vier. Und die Systeme lernen dazu, beide Hersteller beschreiben das so. Ein Vorschlag kann im März anders ausfallen als im Januar, eine Regel im Klartext gilt, bis jemand sie ändert, und diese Änderung steht im Log.

Neue Software braucht es dafür in der Regel nicht, die Prüfschicht arbeitet mit den Exporten, die es heute schon gibt. Wie lange solche Protokolle aufzubewahren sind und was die GeBüV dazu verlangt, steht im Beitrag Replay-Log und GeBüV.

Fragen, die Sie Ihrem Softwareanbieter stellen sollten

Die folgenden Fragen gelten für jeden Anbieter. Sie bewerten kein Programm, sie klären, wo Ihre eigene Prüfung ansetzen muss. Stellen Sie sie schriftlich und legen Sie die Antworten zu den Mandatsunterlagen.

ThemaWas Sie verlangenEine brauchbare Antwort
ProtokollLassen Sie sich zeigen, wo jede automatische Buchung mit Zeitpunkt, Vorschlag und bestätigender Person festgehalten wird.Ja, pro Buchung, und das Protokoll lässt sich exportieren.
RückverfolgbarkeitLassen Sie sich an einer echten Buchung zeigen, aus welchem Beleg und nach welcher Regel sie entstanden ist.Ja, mit Verweis auf den Beleg und auf die Regel oder das gelernte Muster.
KorrekturFragen Sie, wer eine falsche automatische Buchung korrigiert und ob die ursprüngliche Buchung sichtbar bleibt.Ein Mensch korrigiert, die Korrektur ist eine eigene Buchung, nichts wird überschrieben.
StandardrechnungFragen Sie, was als Standardrechnung gilt und wer festlegt, was als Ausnahme zur Durchsicht kommt.Sie legen es fest, und Sie sehen die Einstellung.
LernenFragen Sie, woraus das System lernt und wie sich eine falsch gelernte Zuordnung zurücksetzen lässt.Aus Ihren Korrekturen, mit einer Übersicht der gelernten Zuordnungen.
AufbewahrungFragen Sie, wie lange Protokolle und Belege lesbar bleiben, auch nach einem Programmwechsel.So lange wie die Geschäftsbücher, als Export in einem offenen Format.

Eine Angabe zur Erkennungsgenauigkeit beantwortet keine dieser Fragen. Sie sagt, wie oft das System richtig liegt. Das Protokoll zeigt, was geschah, als es falsch lag.

Was die Prüfschicht nicht tut

  • Sie ersetzt Ihr Buchhaltungsprogramm nicht und bucht nichts um.
  • Sie korrigiert nichts stillschweigend. Jede Abweichung landet mit Fundstelle bei einer benannten Person.
  • Sie entscheidet keine Kontierungsfrage. Was die Regeln nicht eindeutig zuordnen, kommt als offene Frage zu Ihnen.
  • Sie schreibt keinem Kunden ohne Freigabe, auch keine Rückfrage.

So fangen Sie an: ein Mandat, ein Monat

Nehmen Sie ein Mandat, in dem das Programm heute schon Buchungen vorschlägt oder selbst anlegt. Exportieren Sie das Journal eines abgeschlossenen Monats mit den Belegen. Schreiben Sie fünf Regeln im Klartext auf, die Sie heute im Kopf prüfen, zum Beispiel die fünf Punkte von oben. Dann zählen Sie, wie viele Buchungen die Regeln markieren und wie lange die Durchsicht dauert.

Als Vergleich brauchen Sie die Zeit, die das Erfassen heute kostet. Die rechnen Sie mit dem kostenlosen Schuhschachtel-Rechner an einem Monat Belege nach. Um Papierbelege, die noch in der Schachtel ankommen, geht es im Beitrag Schuhschachtel-Belege. Wie Grow Amplified einen Prozess zuerst in Ihren eigenen Stunden durchrechnet und erst dann baut, steht unter Vorgehen.

Häufige Fragen

Bucht die Software bald ganz ohne Menschen?

Bexio plant die vollautomatische Verbuchung von Standardrechnungen für 2027, Ausnahmen kommen weiter zur Durchsicht. Abacus legt Buchungen aus Kreditorenbelegen nach Regeln an und löst danach einen Freigabeprozess aus. Die Verantwortung für den Abschluss bleibt in beiden Fällen bei Menschen.

Brauche ich für eine Prüfschicht ein neues Programm?

In der Regel nicht. Die Prüfschicht arbeitet mit den Exporten, die Ihr Programm heute liefert: Journal, Belege, MWST-Abrechnung. Grow Amplified verkauft keine Software-Lizenzen.

Prüft die Buchhaltungssoftware ihre automatischen Buchungen nicht selbst?

Die Hersteller bauen Kontrollen ein, etwa Ausnahmen zur Durchsicht oder Freigabeschritte. Eine Prüfschicht ergänzt das um die Regeln Ihres Büros, die für alle Mandanten gleich gelten, und um ein Protokoll, das unabhängig vom Programm bestehen bleibt.

Wer haftet, wenn die automatische Verbuchung falsch ist?

Nach unserem Verständnis bleibt der Treuhänder gegenüber dem Mandanten für die sorgfältige Ausführung verantwortlich, auch wenn eine KI vorgearbeitet hat. Klären Sie die Einzelheiten mit Ihrer Rechtsberatung. Eine Freigabe mit Protokoll zeigt im Streitfall, was geprüft wurde.

Was ist eine Fundstelle?

Die genaue Stelle, an der eine Abweichung sitzt: Buchungsnummer, Beleg, Zeile und die Regel, die angeschlagen hat. Damit lässt sich jeder Hinweis nachprüfen, ohne den ganzen Monat neu zu lesen.

Lohnt sich das auch für kleine Mandate?

Das zeigen Ihre eigenen Stunden. Zählen Sie an einem Mandat einen Monat lang, wie lange das Erfassen heute dauert und wie lange die Durchsicht mit Regeln dauert. Danach entscheiden Zahlen statt Eindrücke.

Timon Wick

Timon Wick

Founder, CEO · Grow Amplified GmbH

15 Jahre in Banking und Consulting, in Transformation und Finance Operations. Heute baut er mit Grow Amplified Prüfstrassen: Agenten lesen und gleichen ab, ein Mensch gibt frei, und ein Replay-Log hält fest, wer was entschieden hat.

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Welche Buchungen in Ihren Mandaten eine Prüfschicht brauchen, klären wir in 25 Minuten.

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